„Zusammen mehr erreichen!“ – Artikel in der aktuellen MobBil

Lärmkundgebung gegen Verdrängung am 21.12.17 vor dem Sitz der Engelmann-Verwaltung

Den folgenden Artikel haben wir in der aktuellen Zeitung vom MobB e.V. veröffentlicht. Wir beschreiben darin die Idee von unserem „Miettreff“ und die längst schon überfällige Entstehung von Mieter*innenprotest in Jena. Viel Spaß und Inspiration beim Lesen!

Gesamte Ausgabe der „MobBil“

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Zusammen mehr erreichen!

Im Juli 2018 startet in Jena der „Miettreff“. Dort wollen wir uns als Mieter*innen über Probleme austauschen, gegenseitig unterstützen – und wenn nötig Protest organisieren.

In der sogenannten Lichtstadt Jean boomt zur Zeit auch der Unmut über die aktuelle Stadtentwicklung. Kein Wunder: Wir müssen immer mehr von unserem Einkommen für die Miete ausgeben, während die Wohnungsknappheit mit hochpreisigen Neubauten und luxuriösen Eigentumswohnungen beantwortet wird, Die steigenden Mieten werden für immer mehr Menschen zum Armutsrisiko und das Wohnen in zentralen Stadtteilen ist schon längst zum Exklusivrecht für Besserverdiendende geworden. Entmietung und Verdrängung sind in Jena keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund stellte sich schon in den vergangenen Jahren die Frage: Wo bleibt eigentlich der Protest?

Mieter*innenbewegung? Es tut sich was!

Inzwischen lautet die Antwort erfreulicherweise: Protest entsteht. So haben beispielsweise am 10. März anlässlich der Jenaer Immobilienmesse 150 Menschen mit einem Aktionstag auf die Interessen von Mieter*innen aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Stoppt den Ausverkauf der Stadt!“ wurde in Hör- und Sichtweite zur Immobilienmesse für eine neue, nicht profit-orientierte Wohnungspolitik, für sozialen Wohnungsbau und eine „Stadt für Alle“ demonstriert. Adressiert wurden dabei sowohl Lokalpolitiker*innen, als auch die Akteur*innen auf dem Immobilienmarkt. Eine ähnliche Stoßrichtung hatte nur einen Monat später, am 07. April 2018, auch die erste thüringenweite Mietparade in Erfurt. Dem Aufruf „Keine Profite mit unserer Miete!“ folgten dort über 500 Menschen. Und ein weiteres Zeichen dafür, dass sich in Jena mietenpolitisch etwas tut: Seit einigen Monaten organisieren sich auch in Lobeda Mieter*innen von jenawohnen gegen eine anstehende Mieterhöhung. Neben regelmäßigen Treffen und dem Sammeln von Unterschriften, hat die Initative auch bereits eine Kundgebung in der Innenstadt organisiert. Es geht also voran!

Den Protest im Alltag verankern

An all diese Aktionen der vergangenen Monaten waren wir als Initiative aktiv beteiligt. Es ist jedoch auch klar, dass Demonstrationen gegen den Mietenwahnsinn und für bezahlbare und gute Wohnungen für alle allein nicht ausreichen. Vielmehr müssen wir als Mieter*innen unseren Protest auch im Alltag verankern. Kündigungen, Modernisierungsmaßnahmen, Mieterhöhungen, all diese Dinge können Instrumente der Verdrängung und Entmietung sein. Wir sollten das nicht widerspruchslos hinnehmen. Wir sollten uns gemeinsam gegen eben solche oft skrupellosen Maßnahmen von Vermieter*innen oder respektloses Verhalten von Hausverwaltungen wehren. Dieses Ziel verfolgt das „Miettreff“-Projekt unserer Initiative. Als regelmäßiger Mieter*innen-Treffpunkt für Austausch und gegenseitige Unterstützung setzt er die Idee des „STATT-Gesprächskreis“ fort, welcher bisher in den Räumen des MobB e.V. stattgefunden hat. Also, neuer Name, neuer Raum, aber nach wie vor die gleiche Idee: Zusammen können wir mehr erreichen!

Erste Erfahrungen im Kampf gegen Verdrängung

Erste Erfahrungen, wie wir als solidarische Mieter*innen auf konkrete Fälle von Verdrängung reagieren können, haben wir in den letzten Jahren bereits gesammelt. Beschäftigt hat uns insbesondere ein skandalöser Fall von Entmietung im „Alten Gut“ in Jena Zwätzen. Wir haben zunächst Briefe an die verantwortliche Hausverwaltung Engelmann geschickt. Später haben wir mit einer von der Lokalpresse begleiteten Lärmkundgebung vor dem Büro der Verwaltung auf den Fall aufmerksam gemacht (siehe Foto). Auch solidarische Begleitung und Unterstützung bei Wohnungsbegehungen durch Vertreter der Eigentümerin (eine große Immobilienfirma), Behördengängen und in weiteren stressigen Situationen gehören dazu. Als ein weiteres Mittel der Auseinandersetzung diskutieren wir zur Zeit die Möglichkeit, Mieter*innen in Objekten der entsprechenden Hausverwaltung zu kontaktieren, um sich zu vernetzen und zusammen gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Zufällig Mieter*in bei der Verwaltung Engelmann? Dann gern bei uns melden.

Aber auch sonst: Mieterinnen und Mieter dieser Stadt, fühlt euch zu unserem „Miettreff“ herzlich eingeladen! Unsere Treffen finden jeden ersten Mittwoch im Monat von 17:00 – 19:00 Uhr in der Bachstraße 22 statt. Wir interessieren uns für eure Berichte und Probleme.

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